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Natural Bodybuilding (Dr. Andreas Mller)

Natural Bodybuilding  (Dr. Andreas Mller)

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Art.Nr.: 5308

Produktbeschreibung

„Natural Bodybuilding“ liefert gut nachvollziehbare Tipps für eine realistische Zielsetzung im Training und für die tägliche Motivation. Mit einem Kapitel über die Wettkampfvorbereitung und vielen wertvollen Hinweisen, wie man bei Meisterschaften am besten Erfolge erzielt, sowie einem Kapitel über die Ernährung des Bodybuilders. Sie werden sich wundern, wie unkompliziert eine leistungsfördernde Ernährung ausfallen kann!

Dr. Müllers 30-jährige Erfahrung mit dem Hantelsport macht dieses Buch zu einer wahren Fundgrube an wertvollen Informationen für jeden Kraftsportler. Überzeugend führt er den Leser zu dem Schluss, dass Bodybuilding ohne Pharmaka, ja selbst ohne teure Sportnährmittel ein gesundes und sehr preiswertes Vergnügen sein kann, das schnell vorzeigbare Ergebnisse in Form definierter Muskeln bringt.

Leseproben:

Vorwort

Im Sommer 2004, wenn dieses Buch erscheint, begehe ich eine Art Jubiläum: 30 Jahre Krafttraining. Diese 30 Jahre waren eine ereignisreiche Zeit. Ich habe in ungeheizten Turnhallen und in chromblitzenden Studios trainiert. Ich wurde bei Wettkämpfen disqualifiziert, weil ich die Mindestnorm nicht schaffte, und ich stand im Finale von Weltmeisterschaften. Jahrelang balancierte ich am Rand des körperlichen Zusammenbruchs, weil mir niemand gesagt hatte, dass die Pläne, nach denen ich trainierte, nur zu schaffen sind, wenn man Anabolika nimmt. Außerdem plagten mich ab Mitte 20 hartnäckige Gelenkschmerzen. Aber ich wollte keine Anabolika nehmen, und ich wollte auch kein Sportinvalide werden. Also begann ich damit, Konzepte für ein Bodybuildingtraining ohne Doping und ohne Gelenkschäden zu entwickeln. Mein Training wurde ein permanenter Selbstversuch. Ich befragte befreundete Athleten, studierte alte Bodybuilding-Magazine und wälzte Bücher. Das Thema beschäftigte mich so sehr, dass ich schließlich meine Doktorarbeit darüber schrieb.

Vielleicht hätte ich es irgendwann mit Doping versucht, wenn ich woanders aufgewachsen wäre. Doch als ich 1974 im Alter von 12 Jahren mit dem Krafttraining begann, wusste ich weder etwas von Bodybuilding noch von muskelaufbauenden Medikamenten. Ich lebte in einem kleinen Ort in der Nähe der sächsischen Stadt Zwickau und war während der Sommerferien in einem Betriebsferienlager. Dort fand ein Wettbewerb statt: Wer schafft die meisten Liegestütze? Ich schaffte 50 – und wurde Zweiter. An diesem Tag beschloss ich, regelmäßig zu trainieren. Anfangs bestand mein Programm nur aus Liegestützen, später kamen einige Expanderübungen dazu. Auf einem Kinderspielplatz entdeckte ich ein Klettergerüst, das sich für die Durchführung von Klimmzügen und Beugestützen (Dips) eignete. Erst drei Jahre später, am 18. Dezember 1977, sah ich im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) meine erste Bodybuilding-Meisterschaft.

Inzwischen hatte ich mich einer kleinen Kraftsportgruppe angeschlossen, die zehn Kilometer von meinem Wohnort entfernt in einer Turnhalle trainierte. Abgesehen von einigen alten Hanteln waren die meisten Trainingsgeräte „Marke Eigenbau“. Die Trainingspläne stellte man sich selbst zusammen. Theoretisches Rüstzeug hierfür gab es kaum. Als Orientierung dienten irgendwo aufgeschnappte Tipps sowie ein ostdeutsches Buch des Jahres 1968, „Muskelkraft und Körperformung“. Dort stand nichts von Doping [102]. Ich hatte keine Ahnung davon, dass man Muskelaufbau mit Pharmaka unterstützen kann. Also trainierte ich in dem Glauben, alle Chancen dieser Welt zu haben, wenn ich mich richtig ins Zeug legte. Und das tat ich. „Kulturistik“, wie man Bodybuilding in der DDR nannte, wurde der Dreh- und Angelpunkt meines Lebens. Als ich mit 18 Jahren meinen Militärdienst antrat – voller Wut und Angst, weil ich fürchtete, nicht regelmäßig trainieren zu können – schaffte ich im Bankdrücken bereits 140 Kilogramm.

Während meiner Armeezeit erfuhr ich dann hinter vorgehaltener Hand von der Existenz eines DDR-Medikaments namens „Oral-Turinabol“, genannt „die Blauen“. Ich hörte, dass diese Pillen nicht nur in den von der Außenwelt abgeschirmten Sportclubs der DDR-Olympioniken geschluckt wurden, sondern auch von den besten ostdeutschen Bodybuildern. Einige von ihnen haben es mir später sogar persönlich gesagt. Doch hatte ich es bis jetzt ohne Doping geschafft – warum sollte ich es nicht auch weiter schaffen? An einer Weltmeisterschaft oder Mister-Universum-Wahl hätte ich sowieso nicht teilnehmen können: DDR-Bürgern genehmigte man eine Reise in den Westen gewöhnlich erst, wenn sie Rentner waren, und kein Mensch vermutete damals, dass die Berliner Mauer schon bald Geschichte sein könnte. Amerika, England und selbst Bayern waren für mich genauso weit weg wie der Mond. Informationen aus dieser fernen Welt drangen jedoch auch durch den „Eisernen Vorhang“. Nur 130 Kilometer von meinem Wohnort entfernt, im tschechischen Marianske Lazne (Marienbad), fand alljährlich im September das bedeutendste Bodybuilding-Turnier des gesamten Ostblocks statt – mit regelmäßiger Beteiligung aus dem „kapitalistischen Ausland“. Aus Gesprächen mit Sportlern, die ich dort traf, wusste ich recht bald, dass das Bodybuilding im „goldenen Westen“ durchaus auch Schattenseiten hat, und die finsterste schien Doping zu sein. Also blieb ich, wo ich war, und richtete mich ein, so gut es ging.

Auch ohne Doping schaffte ich es nach zwei vergeblichen Anläufen 1986 erstmals, mich für die DDR-Meisterschaft im Bodybuilding zu qualifizieren und in den folgenden Jahren bei internationalen Meisterschaften in der DDR und Polen Finalplätze zu belegen. Ich wusste also aus eigener Erfahrung, dass man Bodybuilding durchaus „sauber“ betreiben kann – wenngleich man es auf diese Weise wahrscheinlich nicht bis zum „Mister Universum“ oder „Mister Olympia“ bringt. Als dann 1989 die Berliner Mauer fiel, war ich längst gefestigt genug, um zu wissen, dass es sich nicht lohnt, für einen derartigen Titel seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Andere taten es – und zahlten einen hohen Preis. Einige Sportler, die mit ihrem Leben bezahlten, habe ich persönlich gekannt.

Wie unterschiedlich die Auffassungen zum Thema Doping im Bodybuilding sind, erfuhr ich nicht nur als aktiver Athlet. Fast zehn Jahre lang war ich ehrenamtlicher Funktionär eines großen deutschen Bodybuildingverbandes, organisierte über zwei Dutzend Meisterschaften und war auf nationaler sowie internationaler Ebene im Kampfrichtereinsatz. Ich lernte Aspekte des Dopingproblems im Bodybuilding kennen, über die ich noch nie nachgedacht hatte.

Auch nach inzwischen 30 Jahren Training ist Bodybuilding für mich noch immer ein phantastischer Sport. Die Tatsache, dass Bodybuilding inzwischen als Dopingdisziplin Nummer Eins gilt, hat daran nichts ändern können. Denn ich weiß, dass es noch eine andere Art gibt, diesen Sport zu betreiben: Bodybuilding ohne Doping – genannt „Natural-Bodybuilding“. Dieses Wissen verdanke ich der sichersten aller Quellen: der eigenen Erfahrung.

Meinem Sport wäre jedoch wenig geholfen, würde ich dieses Wissen für mich behalten. Die These, dass Bodybuilding und Doping quasi zusammengehören, stößt noch viel zu selten auf Widerspruch. Deshalb vor allem habe ich dieses Buch geschrieben. Es richtet sich in erster Linie an junge Athleten und soll ihnen helfen, ihren sportlichen Weg im Bodybuilding zu finden – ohne Doping.

Das Zustandekommen dieses Buches erforderte nicht nur den Einsatz des Autors am Schreibpult, sondern auch die Unterstützung zuverlässiger Menschen im Hintergrund. Herrn Leopold „Poldi“ Merc (Berlin), Mister Universum von 1964, danke ich ganz herzlich für die vielen aufschlussreichen Telefonate der letzten Monate, ebenso meinen langjährigen Freunden und aktiven Natural-Bodybuildern Sven Gromoll (Gera) und Jochen Möhrstädt (Aalen). Ich danke Herrn Klaus Arndt vom Verlag Novagenics, den ich nicht nur als engagierten Verleger, sondern auch als kompetenten Gesprächspartner in trainingswissenschaftlichen Belangen kennen gelernt habe. Und nicht zuletzt danke ich meinen Freunden von der Swiss Natural Bodybuilding and Fitness Federation (SNBF) und German Natural Bodybuilding & Fitness Federation (GNBF), die maßgeblich dafür gesorgt haben, dass Natural-Bodybuilding in Europa immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Dr. Andreas Müller, Werdau, im Februar 2004

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